Darf ein Vermieter mich wegen meiner Herkunft ablehnen?

Rechtsgebiet (Jurisdiktion): Österreich • Rechtsgebiet (Fachgebiet): Miet- und Wohnrecht • Verantwortlicher Redakteur: Cong Ho• Veröffentlicht 5. November 2026

Kurzfassung

Nein, ein Vermieter darf Sie nicht aufgrund Ihrer Herkunft ablehnen. Das Gesetz verbietet Diskriminierung beim Zugang zu Wohnraum aufgrund der ethnischen Zugehörigkeit.

Die Situation

Ich suche dringend eine Wohnung in Wien und habe mich seit Anfang letzten Monats auf etliche Inserate beworben. Letzte Woche hatte ich ein sehr gutes Gespräch mit einem privaten Vermieter für eine 2-Zimmer-Wohnung im zehnten Bezirk. Die Miete liegt bei 850 Euro warm, was für mich absolut passt. Wir sind eigentlich schon einen Schritt weiter, aber als ich dann beim Besichtigungstermin kurz erwähnt habe, dass meine Familie ursprünglich aus einem anderen Land kommt und wir auch teilweise noch nicht perfekt Deutsch sprechen, hat er plötzlich ganz komische Sprüche gebracht. Er meinte nur so blöd, dass er lieber jemanden hätte, der 'besser hierher passt' und dass er sich bei der Auswahl streng an die lokale Bevölkerung halten will. Ich habe dann versucht, ihm zu erklären, dass ich einen festen Job habe und die Miete pünktlich kommt, aber er hat mich einfach abgewiesen. Ich habe jetzt schon drei andere Vermieter kontaktiert, aber das Gefühl habe ich ständig. Ich bin mir jetzt total unsicher, ob das überhaupt erlaubt ist, wenn man privat eine Wohnung vermietet, oder ob ich mich dagegen wehren kann, weil er mich wegen meiner Herkunft einfach nicht nehmen will, obwohl ich alle Voraussetzungen erfülle.

Ausführliche Analyse

In Ihrem Fall ist die Rechtslage eindeutig: Die Ablehnung durch den privaten Vermieter im zehnten Bezirk aufgrund Ihrer Herkunft und Ihrer Sprachkenntnisse ist rechtlich problematisch. Das Gleichbehandlungsgesetz schützt Menschen vor Benachteiligungen.

Das Gesetz besagt, dass für das Merkmal der ethnischen Zugehörigkeit bestimmte Bestimmungen gelten, die auch für den „Zugang zu und bei der Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen, die der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, einschließlich Wohnraum“[1] gelten. Das bedeutet, dass der Zugang zu Wohnungen nicht von Ihrer Herkunft oder Ihrer ethnischen Identität abhängen darf. Wenn ein Vermieter sagt, er wolle sich nur an die „lokale Bevölkerung“ halten, ist dies eine Diskriminierung aufgrund der ethnischen Zugehörigkeit.

Zudem darf niemand Wohnraum auf diskriminierende Weise anbieten. Das Gesetz besagt: „Niemand darf Wohnraum in diskriminierender Weise inserieren oder durch Dritte inserieren lassen“[2]. Auch wenn das Inserat selbst neutral war, darf die Auswahl der Mieter nicht auf diskriminierenden Kriterien basieren.

Es gibt jedoch eine Ausnahme: Eine Diskriminierung liegt nicht vor, wenn durch die Bereitstellung von Wohnraum ein „besonderes Nahe- oder Vertrauensverhältnis der Parteien oder ihrer Angehörigen begründet wird“[2]. Das ist ein rechtlicher Begriff für eine sehr enge, private Beziehung (wie etwa innerhalb einer Familie oder unter sehr engen Freunden). Da es sich bei Ihnen um ein normales Mietverhältnis mit einem fremden Vermieter handelt, greift diese Ausnahme hier höchstwahrscheinlich nicht.

Ob die Ablehnung rechtlich erfolgreich angefochten werden kann, hängt davon ab, ob Sie Beweise für die diskriminierenden Aussagen des Vermieters haben. Da er die Aussagen mündlich gemacht hat, ist die Beweisführung die größte Hürde.

Gesetzliche Fundstellen

Rechtsquelle: Gleichbehandlungsgesetz § Gleichbehandlungsgesetz § 30 — Geltungsbereich
"Für das Merkmal der ethnischen Zugehörigkeit gelten die Bestimmungen dieses Abschnittes für Rechtsverhältnisse einschließlich deren Anbahnung und Begründung und für die Inanspruchnahme oder Geltendmachung von Leistungen außerhalb eines Rechtsverhältnisses beim Zugang zu und bei der Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen, die der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, einschließlich Wohnraum"
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Rechtsquelle: Gleichbehandlungsgesetz § Gleichbehandlungsgesetz § 36 — Gebot des diskriminierungsfreien Inserierens von Wohnraum
"Niemand darf Wohnraum in diskriminierender Weise inserieren oder durch Dritte inserieren lassen."
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Wichtiger rechtlicher Hinweis

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